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Waldreservat Onsernone, Tessin

Das Waldreservat Onsernone wurde 2002 errichtet. Mit einer Fläche von 781 Hektaren ist es eines der grössten Waldreservate der Schweiz. Jegliche wirtschaftliche Nutzung des Reservats ist untersagt, nur das Pilzesammeln, das Beerenpflücken und die Jagd sind weiterhin erlaubt.

 

 

 

 

 

 

 

Ovale Legende: Vocaglia

 

 

 

 

 

Im Empfangszentrum von Comologno wird über die Geschichte des Reservats wie folgt erzählt:  

Von der Vorgeschichte zu den Kelten

Das obere Onsernone-Tal wird schon seit Urzeiten von Menschen bewohnt oder durchzogen, wie an den Schalensteinen auf dem Monte Ligünc oberhalb von Comologno zu erkennen ist. Danach nutzten die Kelten und Walser diese Orte für ihre Weidewirtschaft und die Jagd und errichteten mehr oder weniger feste Wohnbauten. Als Spuren dieser Bewohner aus alter Zeit zurückgeblieben sind der Sockel des Kreuzes auf dem Kirchplatz von Comologno, die steinernen Einfassungmauern bei der Alpe Salei und verschiedene Flurnamen wie Ligünc und Tabid.

 

Tausendjährige Nutzung

Die ersten gesicherten Zeugnisse über die Wälder lassen erkennen, dass sie den einflussreichsten Familien von Locarno gehörten. Seit dem Jahre 1000 begannen die Talgemeinden und die Kirchen meliorierbare Waldflächen zu erwerben. Neben dem Brennholz lieferten die Wälder Holz für Bauwerke und das Handwerk (Werkstätten und Gerbereien) im Locarnese und im Einzugsgebiet des Langensees.

Der Wald wurde kahl geschlagen und das Holz entweder direkt oder über spezielle Kanäle (soende) zum Fluss gebracht. An den Sammelplätzen wurde der Fluss mit Stammsperren gestaut und das Transportholz den natürlichen oder durch die Öffnung der Sperren ausgelösten Hochwassern anvertraut, die es zum See beförderten. Diese für Dämme und Pflanzungen schädliche Transportart hörte erst mit dem Inkrafttreten des Waldpolizeigesetzes von 1876 auf.

Das Generalpatriziat von Onsernone schlug bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts Brenn- und Bauholz (Lärche, Fichte und Weisstanne) für die Patrizierfamilien; dann hörte man damit auf. Der letzte – bescheidene - Schlag geht auf 1988 zurück.

Über die Holzversorgung hinaus diente das Gebiet des heutigen Reservats als Weide für Kleinvieh (Ziegen und Schafe), der Alpwirtschaft und der Gewinnung von Waldheu. Noch heute erkennt man zahlreiche Hinweise auf das mühevolle Leben unserer Vorfahren, die gezwungen waren, auch die abgelegensten und unzugänglichsten Gebiete für ihren Lebensunterhalt zu nutzen. Weitere Zeitzeugen wie die Köhlereien überleben in den Archiven und den Erinnerungen der Alten und sind zum Teil noch in der Landschaft ablesbar.

 

Geburt des Reservats

Die ersten Ansätze für die Schaffung eines weitläufigen Schutzgebietes im oberen Onsernone-Tal gehen zurück auf die Jahre 1995-96. Von entscheidender Bedeutung waren von Anfang an die engen Beziehungen und Kontakte zwischen den lokalen Gemeindebehörden und denen des Vigezzo-Tals, dem Forstkreis und der Kantonsverwaltung, den Waldeigentümern im Innern des Reservats und der Bevölkerung. In einem offenen Gesprächsklima haben sich alle Eigentümer, mit Ausnahme eines einzigen, dem Reservat angeschlossen und eine Konvention von 50 Jahren für seine Errichtung abgeschlossen. Das Reservat wurde nicht von oben herab angeordnet, sondern es ist das Ergebnis der regen Beteiligung und persönlichen Überzeugung aller Betroffenen, namentlich der Waldeigentümer. Auf diese Art konnte die Gemeinde Onsernone das Reservat schliesslich vervollständigen, indem es 2002 die einzige noch fehlende Parzelle erwarb.

 

Veränderte Denkweise

Heute ist es nicht mehr notwendig, Waldheu zu mähen und an gefährlichen und abgelegenen Stellen für den Unterhalt der Bevölkerung Holz zu schlagen, und nicht einmal die Nutzung des Waldes für Bauholz lohnt sich. Aus diesem Grund traten bei der Schaffung des Reservats wohl weniger Schwierigkeiten auf, als dies nur 20 Jahre zuvor der Fall gewesen wäre. Das Waldreservat entsteht auf einem Gebiet, dessen Nutzung die Bevölkerung weitgehend aufgegeben hat, obschon sie gefühlsmässig immer noch stark daran hängt. Dies gilt vor allem für betagte Personen, die noch auf den Maiensässen des Reservats gelebt haben.

Einige Maiensässen, die von den Eigentümern noch zur Erholung oder in der Freizeit genutzt werden, wurden aus dem Reservat ausgenommen und bilden Enklaven im Gebiet.

Weiter erleichtert wurde das praktisch einstimmige Einverständnis der Bevölkerung durch die Erhaltung der Jagd- und Fischereirechte sowie des Rechts, Pilze und Beeren zu sammeln. Dank der Errichtung des Reservats können ferner die bestehenden Wege erhalten und neue angelegt werden, was es der Bevölkerung möglich macht, das Gebiet selbst zu geniessen und für den Ausflugstourismus zu nutzen, der dem Tal Einnahmen bringt.

 

Die Fotos und Hintergrundinformationen auf dieser Seite wurden freundlicherweise vom Forstingenieur Roberto Buffi zur Verfügung gestellt. Herr Buffi gilt gleichsam als "Vater" des Waldreservats von Onsernone, er hat das Projekt ab seiner Konzeption bis zu seiner Realisierung begleitet und vorangetrieben. Heute betreut er mit seiner Firma "Silvaforum" Berggemeinden in Fragen betreffend Natur und Tourismus, befasst sich mit Naturerziehung und führt Besichtigungs- und Thementouren im Waldrervat Onsernone durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Revue SCHWEIZ - das Magazin für Wandern, Kultur und Natur - hat in ihrer Ausgabe 7/2006 folgende Wanderroute quer durch das Waldreservat Onserone vorgestellt:

 

 

 

Hinauf ans Licht

Von Remo Kundert

 

In Comologno (1085 m), bei der Kirche gegenüber den Prachtsgebäuden, beginnt der Abstieg zum Fluss Isorno. Der Weg führt am Friedhof vorbei nach Corte und auf schmalem Pfad in vielen Windungen hinunter zur Holzbrücke (846 m). Die ständige Feuchtigkeit macht die Holzbrücke zu einer Rutschpartie, an den Felswänden tropft das Wasser aus dem Moos heraus. Es ist ein besonderer Ort, mit einer besonderen Atmosphäre.

Auf einer weiteren Brücke wird das tief in die Felsen eingeschnittene, moosbewachsene Valle del Guald überquert.

Nach einigen steilen Kehren windet sich der Weg durch den Tannenwald hinauf zur Krete und weiter bis zur Alpe Lombardone (1588 m).

Obwohl sich die Weisstannen im Onsernone-Tal rein äusserlich nicht von denjenigen auf der Alpennordseite unterscheiden, ist der Unterschied für den Waldbiologen doch beträchtlich. Der Unterscheid liegt in der Erbsubstanz. Entstanden ist der genetische Unterschied vor rund 30'000 Jahren, als während der letzten grossen Eiszeit die Weisstannen aus der Alpenregion bis nach Süditalien verdrängt wurden. Nach der allmählichen Wiedererwärmung des Kontinents breiteten sie sich wieder nordwärts aus und erreichten vor 10'000 Jahren ihr heutiges Verbreitungsgebiet im Tessin. Der Alpenhauptkamm erwies sich aber als zu hohe Barriere, und so kamen die Weisstannen erst nach einem weiten Umweg über Frankreich in ihr heutiges Verbreitungsgebiet nördlich der Alpen zurück.

Von der Alpe Lombardone geht es rechtshaltend weiter auf die Alpe Ruscada zu, und bei den Ruinen (1737 m) auf schmalen Spuren über kleine Weideflächen und durch viel Alpenrosengestrüpp hinauf zum Pizzo Ruscada (2004 m). Hier geniessen Sie eine herrliche Aussicht auf das Centovalli.

Vom Gipfel des Pizzo Ruscada führt der Pfad dem gut begehbaren Ostgrat entlang zuerst nach Corte Nuovo (1635) und dann hinunter nach Pescia Lunga (1511 m). Hier folgt nochmals ein recht steiler Aufstieg, bis man nach einer Engstelle den mit einer Metallkonstruktion verzierten Gipfel des Pianascio (1643 m) erreicht.

Nach einem weiteren Aussichtspunkt auf dem Pizzin senkt sich der Weg endgültig zur Kirche Madonna della Segna (1166 m) hinunter. In weiteren 10 Minuten ist der Monte di Comino (1155 m) erreicht, mit seinen beiden Restaurants und der Seilbahn, die hinunter ins Centovalli, nach Verdasio fährt.   Seilbahn Monte di Comino

 

Start:

Ziel:

Dauer:

Schwierigkeit:

Ausrüstung:

Karte:

 

Postauto Haltestelle Comologno Paese (Postauto von Locarno nach Spruga)

Seilbahn Monte di Comino  (ab Verdasio: Bahnverbindung nach Locarno)

knapp 7 Std. (Comologno Pizzo Ruscada 4 Std., Pizzo Ruscada - Monte di Comino 3 Std.)

mittel bis anspruchsvoll

Wanderschuhe mit guten Sohlen

Blatt 1311 Comologno, 1:25'000